Das gute Leben im Bistro Bichou

Das gute Leben im Bistro Bichou

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Es war ein warmer Herbstmorgen in Berlin, ich kam gerade aus der lauten U-Bahn und freute mich auf Marion Coulondre und Thomas Giese, die beiden Inhaber des französischen Bistros und Cafés Bichou. Der Weg führte mich in eine kleine Seitenstraße in der Nähe vom Rathaus Neukölln. Und da war es auch schon — ich öffnete die Eingangstür und aus laut wurde leise.

Ein großer freundlicher Raum mit rustikalen Dielen, hohe Decken, langen alten Holztischen und kleinen Details wie einer große Vase mit einem Strauß getrockneten Hortensien darin, fielen mir gleich ins Auge. Vorne befindet sich eine kleine Theke mit süßen und herzhaften Köstlichkeiten wie zum Beispiel den leckeren Mandelbrioches oder Quiches.
Hinter dem Tresen stand Marion und begrüßte mich mit einem herzlichen “Hallo”. Gemeinsam mit ihrem Partner Thomas eröffnete die gebürtige Französin aus Avignon vor zwei Jahren das Bichou — den schönsten Ort für ein Petit Dejeuner, ein Lunch der Saison oder eine klassische Tarte Tatin, den ich mir gerade in Berlin vorstellen kann. Als die beiden damit begannen mir im Interview von sich zu erzählen, freute ich mich darüber ihnen sofort anzusehen, wieviel Herzblut in ihrer Arbeit steckt.

Inhaber des Bistros Bichou in Berlin Neukölln

Marion ist ausgebildete Restaurantfachfrau und Thomas gelernter Koch. Nachdem die beiden für eine lange Zeit auf der ganzen Welt in großen Hotels gearbeitet hatten, beschlossen sie gemeinsam etwas eigenes aufzubauen. "Wir wollten zukunftsgerechter kochen und arbeiten. Es war unser Entschluss etwas sehr Simples aufzubauen und wir sind jetzt in der Lage viel nachhaltiger und umweltbewusster zu handeln als vorher", erzählten mir die beiden.
Bei der Auswahl ihrer Produkte aus ökologischer Landwirtschaft achten sie sehr darauf, so regional und saisonal wie möglich einzukaufen. „Es ist uns sehr wichtig, zu wissen woher unsere Zutaten kommen. Unser Olivenöl beispielsweise beziehen wir von einem Dorf in Griechenland. Wir kennen die Produktionsprozesse und Menschen, die an der Herstellung beteiligt sind, sehr genau.“, machte Marion deutlich. Ihr Kaffee wird in der Berliner Rösterei von 19grams geröstet und ihre fair-gehandelten Gewürze in Bio-Qualität bekommen sie von Soul Spice — ebenfalls aus Berlin. „Unser oberstes Ziel ist es gute Zutaten mit hoher Qualität zu verwenden, mit denen wir auch das Essen für unsere Familie zubereiten würden“, betont Marion.

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„Unsere Kundschaft weiß es sehr zu schätzen, dass wir uns viele Gedanken um Nachhaltigkeit machen“, beschreibt Thomas. Das Bichou verfolgt den „Zero-Waste”-Gedanken, der mich schon seit längerem sehr interessiert. Für einen gastronomischen Berieb kann dies zum Beispiel bedeutet, dass das Prinzip des Wegwerfwirtschaft durch das der Kreislaufwirtschaft ersetzt wird. Im Bichou wird die Hafermilch zum Beispiel selbst hergestellt. Dadurch fällt kein Müll durch Tetra Packs an und Marion und Thomas wissen genau, was drin ist. „Der gemahlene Hafer, der dabei übrig bleibt, wird in einem leckeren Crumble für unsere Desserts weiterverarbeitet”, erklären mir die beiden.
Der Umwelt zuliebe erhält jeder Durchreisende sein Lunchgericht zum Mitnehmen gegen ein Euro Pfand in einem großen Schraubglas. Mehrweg-Nutzung statt Einwegsverpackung gleich „Zero Waste”. „Da es auch noch gut aussieht, haben wir uns dazu entschieden auch hier im Bistro unsere Gerichte und Getränke weitestgehend in Gläsern zu servieren.“ Das scheint bei den Gästen sehr gut anzukommen. Ich werde den Blick einer Frau nicht vergessen, als sie von Marion freudestrahlend ihren bestellten Latte Macchiato in einem der Gläser gereicht bekam.

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Im Oktober stand ein Herbstsalat mit Linsen, Spinat, Kürbis und eingelegten Birnen auf der Lunchkarte im Bichou. Thomas hatte mir auf meinen Wunsch extra diesen Salat vorbereitet, sodass ich ihn fotografieren kann. Er macht selbst sehr schöne Fotos von all seinen feinen und besonderen Kochkreationen, die man auf Instagram bewundern kann. Als ich ihn fragte, warum sie sich ausgerechnet dafür entschieden haben, französische Gerichte im Bichou anzubieten, antwortete er mir: „Marion kommt aus Frankreich. Dadurch hat sie, beziehungsweise wir, einen sehr starken Bezug zum Essen, da es in Frankreich viel mehr zelebriert wird und im täglichen Leben eine viel größere Rolle spielt. Als wir unser Konzept entwickelt haben, war es uns sehr wichtig diese Leidenschaft zum guten Essen mitzunehmen und weiterzugeben.“
Eines meiner kulinarischen Highlights war das kleine Frühstück mit selbstgebackener Brioche, einem Stück Sauerteigbaguette — dazu ein kleines Fässchen Butter, eine hausgemachte Marmelade mit Quitten und eine mit Birnen und Sternanis. Ganz simpel und sehr fein im Geschmack — genau wie der Herbstsalat. Ich bin schon sehr gespannt, welche Köstlichkeiten es in den Wintermonaten im Bichou geben wird.

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Marion erzählte mir, dass viele französische Gäste zu ihnen ins Bistro kommen. Wie schön: ein bisschen Heimat im eigenen Bistro und ein bisschen echtes Frankreich in Berlin.
Das Bichou ist ein kleines ruhiges Zuhause für alle Liebhaber der einfachen und feinen Küche. Wer seiner Seele etwas Gutes tun und sich von der typisch französischen Leichtigkeit anstecken möchte, ist hier am richtigen Ort.

Bichou.de

Weitere Links
Soul Spice | Fair gehandelte Gewürze in Bio-Qualität
Tres Cabezas | Kaffeerösterei des Cafés 19grams
Honest Toil | Olivenöl aus Griechenland

Worte und Fotografie: Svenja Paulsen

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